Arbeiten im Baum mit der Handsäge

Ihr Lieben

Kürzlich wurde eine Frage an mich herangetragen, die ich nun recherchiert habe und euch gerne das Ergebnis dazu mitteilen will.

Im Bereich des gewerblichen Baumkletterns (Pflege, Fällungen, …) ist es notwendig, dass die Mitarbeitenden einen SKT-A Schein (Beispiel siehe hier: http://www.baumkletterschule.de/cms/front_content.php?idart=53) machen, damit sie im Baum mit der Handsäge arbeiten dürfen. Das hat keine rechtlichen Hintergründe, sondern hat ausschließlich damit zu tun, dass ein gewerblicher Baumarbeiter sich ohne diese Qualifikation nicht versichern kann. Die Versicherungen in diesem Bereich fordern diesen Schein also als Grundlage an, erst dann kann eine Versicherung abgeschlossen werden.

Da ja auch unsere Haupt- und Ehrenamtlichen beim Baumhausbau in Bäumen oder an Seilen hängend mit der Handsäge hantieren, war die Frage, ob nun jede/r der/die das tut, auch einen solchen Schein braucht. Grundsätzlich ist dies aber nicht der Fall, da wir nicht gewerblich arbeiten und wir andere Versicherungspakete haben. Folgendes ist aber zu tun bzw. sinnvoll:

      1. Es ist auf jeden Fall mit der Versicherung zu klären, ob solche Tätigkeiten abgesichert sind (also der Versicherung des Trägers des Baumhauscamps). Ggfs. müssen dann für den Zeitraum des Baumhauscamps Zusatzversicherungen abgeschlossen werden. Hier ist wichtig, die Tätigkeiten so genau wie möglich zu beschreiben, damit der Versicherungsschutz im Unfall dann auch wirklich greift.
      2. Zu prüfen ist, ob zumindest ein/e Mitarbeiter/in eines Baumhauscamps einen solchen SKT-A Schein macht. Auf der einen Seite wird man eine Menge dabei lernen und auf der anderen Seite kann man dann auch die Teilnehmer und Mitarbeiter besser schulen. Aber es gibt eben keine Verpflichtung dazu.

Diese Antwort habe ich von der Münchner Baumkletterschule erhalten, die führend im Bereich der Ausbildung für Baumpfleger sind. Also eine vertrauenswürdige Quelle.

Ich hoffe, das hilft euch, eure Arbeit weiterhin gut zu gestalten.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Westhauser am 27.11.2015

Berichte

Berichte über das Baumhaus-Leitercamp 2015 in Michelstadt:

cvjm-blog, 12.07.2015, Tabea Kölbel:
http://www.cvjm-blog.de/2015/07/12/erstes-europaisches-baumhauscamp-in-michelstadt/

cvjm-blog 18.07.2015, Tabea Kölbel:
http://www.cvjm-blog.de/2015/07/18/wir-haben-hier-keine-bleibende-stadt/

CVJM-Informationen, 3|2015, Günter Lücking:
2015-03 CVJM_Info_Baumhauscamp

V-Verstärkung

Zur Verstärkung der Tragkraft von Elementen (bspw. Brücken oder Plattformen) können V-Vertärkungen angebracht werden.

Material:
1 Spannset
3 Bandschlingen
3 Baukarabiner

Vorgehen:
An zwei Bäumen werden über dem zu verstärkenden Element jeweils eine Bandschlinge mit einem Ankerstich befestigt und anschließend ein Baukarabiner eingehägt. Am zu verstärkenden Element (Brücke, oder Plattform) wird an einem tragenden Balken in der Mitte zwischen den beiden zuvor gewählten Bäumen eine weitere Bandschlinge mit Karabiner befestigt. Das Spannset wird durch den unteren Karabiner gezogen und dann zwischen diesem und den beiden Bäumen gespannt. Der Innenwinkel des entstandenen Dreiecks beträgt in der unteren spitze weniger als 90° (je kleiner der Winkel, desto höher die Belastbarkeit).

Top-Rope-Sicherung

Für den Auf- und Abbau eines Baumhauses werden Top-Rope-Sicherungen verwendet.

Weitere Informationen zur Top-Rope-Sicherung:
https://de.wikipedia.org/wiki/Toprope

Abbau einer Top-Rope-Sicherung:
Zunächst erfolgt die Sicherung über mehrere Bandschlingen am Baum. Anschließend kann mit der Installation einer abbaubaren Top-Rope-Sicherung begonnen werden. Dazu wird zunächst eine Bandschlinge mit einem Ankerstich am Baum befestigt. Am kurzen Ende des Stichs wird ein dünnes Seil befestigt, dass bis zum Boden reicht. Durch das lange Ende des Stichs wird ein Kletterseil gezogen. Anschließend kann das Kletterseil für das Abseilen über ein Abseilgerät (bswp. Achter) erfolgen. Vom Boden aus wird als erstes das Kletterseil herunter gezogen, anschließend wird der Ankerstich mit Hilfe des dünnen Seils geöffnet.

Aufbau

Zunächst werden Rollen an den ausgewählten Bäumen befestigt. Dann werden die Stellen zur Befestigung der Bodenplattform an den Bäumen auf jeweils gleicher Höhe markiert. Als Grundgerüst für den Boden der Plattorm werden Außenbalken mit Kreisbünden an den Bäumen befestigt. Vor dem weiteren Bau am Grundgerüst der Plattform wird die Security-Line gespannt und in Betrieb genommen. Nun wird auf den Außenbalken ein Raster aus Querbalken montiert. Der später begehbare Boden besteht aus Planken, die auf die Querbalken genagelt werden. Die einzelnen Bodenplafformen werden mit Brückenelemen bzw. Treppen verbunden. Ein Aufgang wird an einer möglichst Bodennahem Stelle angebracht. Da das Baumhaus am Ende ohne Sicherung betreten werden können soll, werden nun Geländer an den Plattformen, Brücken und dem Aufgang installiert.

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Abbau

Da unsere Baumhäuser nicht für die Ewigkeit, teilweise nicht für länger als ein Camp gemacht sind, müssen sie wieder rück- und abgebaut werden. Dies bedarf Zeit und guter Planung.

Material:
Security-Lines
Absperrband
Müllsäcke
Messer
(Motorsäge)
Hammer

Vorgehen:
Der Abbau erfolgt ohne die Teilnehmenden. Er erfordert hohe Konzentration und wird deswegen in der Regel erst einige Tage/Wochen nach einem Camp angegangen. Der Abbau ist tendentiell gefährlicher als der Aufbau, da beim Aufbau bspw. oft mehr Menschen einen Stamm sichern und er langsam nach oben bewegt wird. Deswegen ist es sehr wichtig hier einige Sicherheitsregeln mit allen Beteiligten zu verabreden sowie Vorgehen und einzelne Aufgaben klar abzusprechen.

Beim Abbau werden zunächst alle nicht sicherheits-relevanten Teile des Baumhauses abgebaut. Diese Elemente (bspw. Innenausstattung, Dächer, …) werden vom Baumhaus herunter getragen. Anschließend werden auf allen Elementen Security-Lines gespannt und in Betrieb genommen. Das Gelände unter dem Baumhaus wird komplett mit Absperrband gesichert und dieser Bereich ist nicht mehr zu betreten. Eine Person ist damit beauftragt den Bereich zu überwachen.

Im Folgenden werden zunächst die Geländer abgebaut. Beim Abbau wird jeder Balken zunächst mit Bandschlingen an anderen tragenden Elementen (bzw. an Bäumen) gesichert. Die Sicherung ist so anzubringen, dass sie gespannt ist. Die Sicherung verhindert Unfälle (bspw. Quetschungen), erleichert das Öffnen von Knoten und verhindert, dass sich Rundhölzer bei ungeplantem runterfallen verkanten. Wenn das Seil nicht mehr verwendet wird, können die Knoten mit einem Messer aufgeschnitten werden. Soll das Seil noch einmal verwendet werden (bspw. Bauseile von nicht-tragenden Elementen), können die Knoten mithilfe der Hebelwirkung eines Zimmermannhammers gelöst werden. Sind die Knoten entfernt, kann das Rundholz runterfallen- bzw. abgelassen werden. Anschließend werden die V-Verstärkungen, bei den obersten Brücken und Plattformen begonnen, abgebaut. Sind Geländer und V-Verstärkungen abgebaut, können die Verbindungselemente (Brücken, Treppen) abgebaut werden.

Die Plattformen werden nicht im Ganzen heruntergelassen bzw -geschnitten, da sie sich auf diese Weise sehr leicht zwischen den Bäumen verkanten könnten. Deswegen werden beim Abbau der Plattformen zunächst die Bretter gelöst. Wenn die Bretter direkt entnaglet werden sollen, wird ein Schlag unter das Brett getätigt, darauf folgt ein Schlag von oben neben den Nagel. Der herausstehende Nagel kann nun mit der Hebelwirkung eines Zimmermannhammers herausgezogen werden. Alternativ können die Bretter mithilfe einer Motorsäge zwischen dem Balken herausgeschnitten werden. Ist nur noch das Raster vorhanden, werden die tragenden Knoten am Baum gelöst und die Plattform fällt zu Boden. Die Sicherung der beteiligten Menschen erfolgt hierbei entweder noch über die Securtiy-Line oder über eine Top-Rope-Sicherung über der Plattform. Die Top-Rope-Sicherung ist dabei so installiert, dass sie nach dem Abstieg vom Boden aus abgebaut werden kann.

Wenn alle Personen am Boden sind, kann mit dem Zerlegen und Abtransport begonnen werden (ACHTUNG: es wird nicht zeitgleich am Boden aufgeräumt und in der Höhe abgebaut!). Dabei ist sicher zu stellen, dass sich keine ungesicherten Gegenstände in der Höhe befinden. Die Absperrband-Sicherung wird entfern. Nun kann der weitere Abbau und der Abtransport auf dem Boden geschehen. Beim Schichten von Rundhölzern ist darauf zu achten, diese nach Größe zu sotieren und auf einer Seite bündig zu lagern, um den weiteren Transport zu erleichtern.

Beim Abbau kann viel für die Nachhaltigkeit getan werden. Genaue Absprachen mit dem Förster bzw. Holzlieferanten über die Rücknahmebedingungen (Länge, Nägel, Lagerort etc.) für das Stangenholz sind hier von großer Wichtigkeit. Das übrige Holz kann zum Bauen wiederverwendet werden, solange es noch frisch ist bzw. verbrannt werden, wenn es gelagert wurde. Auch dicke Bretter (bswp. von der Brücke) können wiederverwendet werden, wenn die Schrauben entfernt werden und eine geeignete Lager- bzw. Transportmöglichkeit besteht.

Treppe

Zur Verbindung von unterschiedlich hohen Plattformen kann eine Treppe gebaut werden.

Material:
2 dicke Bretter
einige dünnere Bretter
Winkel
Bleistift
Zollstock
Säge
Taschenrechner

Vorgehen:
In Abhängigkeit von der Höhendifferenz zwischen den Plattformen wir zunächst die Stufenanzahl der Holztreppe ermittelt. Die Stufenhöhe sollte maximal 19 Zentimeter aufweisen und der Auftritt nicht weniger als 26 Zentimeter tief sein. Als Faustregel gilt, dass die Summe aus der doppelten Steigungshöhe mit der Auftrittsbreite addiert wird. Das Ergebnis sollte zwischen 60 und 66 Zentimeter liegen – idealerweise 62 Zentimeter. Die Treppe sollte eine Neigung von rund 25 bis 40 Grad aufweisen.

Beispiel: 2 x 16 cm (Steigungshöhe ) + 30 cm (Auftrittstiefe) = 62 cm. Bei einer Höhendifferenz von 1,60 werden also 10 Stufen benötigt.

Zwei dicke Bretter dienen als tragendes Außenseiten. Die errechneten Stufen werden dort mit einem Winkel aufgezeichnet und ausgesägt. Anschließend werden diese Außenseiten zwischen den Böden der Plattormen verschraubt und dann mit dünnen Brettern gedeckt. Je nach Höhe der Treppe wird ein Geländer installiert.

Variante: Leitertreppe